Insekt des Monat: Der Kleine Frostspanner

Schmetterlinge? Die flattern durch die Gegend! Denkst du. Manche tun das aber gar nicht, sondern sitzen einfach nur herum – und warten auf ihren Prinzen, der angeflogen kommt. So ist es zum Beispiel beim Kleinen Frostspanner (Operophtera brumata), der, wie die meisten Spanner, zu den nachtaktiven Schmetterlingen gehört, auch Nachtfalter genannt. Die Falter schlüpfen dann, wenn die meisten anderen Insekten schon längst den Löffel abgegeben haben oder in Winterruhe gegangen sind, nämlich wenn die Bodentemperatur mehrere Nächte lang bei etwa 5° C gelegen hat. Die Männchen fliegen dann umher und versuchen – was auch sonst –, ein Weibchen aufzuspüren. Diese verstecken sich aber nicht etwa, sondern sitzen an Bäumen und bemühen sich, besonders attraktiv zu riechen, um den Männchen die Suche zu erleichtern. Mehr können sie auch nicht tun, denn ihre Flügel haben sich im Laufe der Evolution zurückgebildet – sie sind flugunfähig. Haben sich dennoch zwei Frostspanner gefunden, paaren sie sich und das Weibchen legt seine Eier anschließend in der Baumkrone ab. Erst nach dem Winter schlüpfen die Raupen, die sich sodann mithilfe gesponnener Fäden vom Winde verwehen lassen, um sich möglichst weit in der Landschaft zu verteilen und eine geeignete Nahrungspflanze zu finden. Dazu gehören verschiedenste Laubgehölze, an denen die Raupen dann an den Blättern fressen, bevor sie sich im späten Frühling verpuppen und auf die kalte Jahreszeit warten.

Beobachtet werden können die umherfliegenden Männchen sogar noch im Dezember. Aber Achtung: Sie sind nicht die einzigen! Es gibt noch einige weitere spätfliegende Arten, deren Weibchen kurze Flügel haben. Neben dem Kleinen Frostspanner ist bei uns am häufigsten der Große Frostspanner (Erannis defoliaria) anzutreffen, der eine ähnliche Lebensweise hat. Die Männchen beider Arten sind aber bei genauem Hinsehen anhand ihrer Flügelzeichnungen kaum zu verwechseln und die Weibchen sind leicht an den Flügeln zu unterscheiden: Dem Großen Frostspanner fehlen sie ganz, der Kleine Frostspanner besitzt noch kleine Flügelstummel. Beide Arten sind auch häufig in Gärten anzutreffen. Etwas weniger häufig ist bei uns der Buchen-Frostspanner (Operophtera fagata), der dem Kleinen Frostspanner recht ähnlich sieht, aber vor allem in Buchenwäldern zu finden ist.

Wer im Frühling die Raupen findet, sollte unbedingt nach kleinen schwarzen gestielten Eiern Ausschau halten, die einzeln an den grünen Raupen befestigt sind. Sie stammen meist von der Schlupfwespe Netelia latungula, deren Larven sich ausschließlich von den Raupen des Kleinen Frostspanners ernähren.

Kleiner Frostspanner Operophtera brumata (Linnaeus, 1758)

Die unscheinbaren Falter sind aufgrund des späten jahreszeitlichen Auftretens kaum zu Verwechseln. Sehr ähnlich ist allerdings der zur gleichen Jahreszeit auftretende Buchen-Frostspanner (Operophtera fagata). Die Männchen dieser Art sind weniger kontrastreich gezeichnet, vor allem aber sind die Hinterflügel hell, beim Kleinen Frostspanner dunkel gefärbt.

Die Weibchen beider Arten sind hingegen flügellos und einander sehr ähnlich.

Gerade anhand von Fotos ist eine sichere Unterscheidung beider Arten manchmal nicht möglich.

In ganz Schleswig-Holstein weitverbreit und häufig.

Die unscheinbaren Falter zählen zu den am spätesten im Jahr erscheinenden Schmetterlingsarten und fliegen witterungsabhängig von Anfang November bis in Dezember. Einzelne Nachtfröste werden dabei ohne Probleme überstanden, jedoch endet die Flugzeit bei Dauerfrost.

Die Raupen entwickeln sich ausgesprochen polyphag an unterschiedlichsten Laubgehölzen, wie Schlehe, Eiche oder Weidenarten. Sie treten mit dem frisch ausgetriebenem Laub im Mai meist sehr zahlreich auf und bilden eine wichtige Nahrungsgrundlage für unzählige weitere Tierarten. Auch für den Aufzucht vieler Jungvögeln ist ihre Anzahl entscheidend.

Mit den Laubgehölzen sind die Falter in allen entsprechenden Lebensräumen anzutreffen. Dazu zählen beispielsweise Wälder, Parks und Gärten aber auch gebüschreiches Offenland oder die Küstendünen, wo die Raupen an Kriechweiden leben.

Weit verbreitet und ungefährdet (*)

Kleiner Frostspanner Operophtera brumata
© D. Kolligs
Männchen
Körperlänge18 mm
Vorderflügellänge 22 mm
Länge Larven3cm
Exemplare in S-H250.000
Alter MAX3 Wochen
Quartettspiel bestellen
?

Wusstest Du schon

Bei selten auftretenden Massenvermehrungen erinnern die zu Tausenden fliegenden Männchen im Schein einer Lampe an ein Schneegestöber.


Autor(-en)/Autorin(-nen): Detlef Kolligs